Wenn Dialog verstummt – eine Beobachtung zur geistlichen Kommunikationskultur in der NAK

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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misiva333
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Wenn Dialog verstummt – eine Beobachtung zur geistlichen Kommunikationskultur in der NAK

#1 Beitrag von misiva333 » 23.12.2025, 08:33

Wenn Dialog verstummt – eine Beobachtung zur geistlichen Kommunikationskultur in der NAK

Liebe Mitlesende, liebe Suchende nach Orientierung,

immer mehr Menschen spüren:
Etwas hat sich verändert – nicht nur in Lehren, sondern im Umgang miteinander, besonders dann, wenn unbequeme biblische Fragen gestellt werden.

Dieser Beitrag ist keine Anklage und kein persönlicher Angriff.
Er ist eine Beobachtung.
Und er ist eine Einladung zur Prüfung.

Es geht nicht darum, wer recht hat.
Es geht darum, wie eine Kirche reagiert, wenn sie mit der Schrift konfrontiert wird – nicht tröstend, sondern ordnend; nicht integrierend, sondern unterscheidend.

In den letzten Jahren zeigt sich innerhalb der Neuapostolischen Kirche ein Muster, das viele Gläubige irritiert:
=> Biblisch begründete Anfragen werden nicht offen widerlegt – sondern relativiert, vertagt oder administrativ begrenzt.
=> Der Dialog bleibt formal bestehen, verliert jedoch zunehmend seinen geistlichen Kern.

Dabei erinnert uns die Schrift daran:
„Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.“
(Matthäus 5,37)

Was folgt, richtet den Blick nicht auf Personen oder Motive, sondern auf Reaktionsmuster, die immer dann sichtbar werden, wenn biblische Ordnungserinnerung auf institutionelle Selbstsicherung trifft. Der folgende Beitrag möchte diese Spannung sichtbar machen – ruhig, schriftgebunden und ohne Polemik.

Exkurs: Zwischen Schriftprüfung und institutioneller Abwehr (letztes Beispiel vom 22.12.2025 mit NAKI-Zürich)

Besonders auffällig ist, dass biblisch begründete Anfragen heute zwar registriert, aber nicht mehr schriftlich geprüft werden. An die Stelle einer offenen Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes treten formale Reaktionen, die den Dialog beenden, ohne sich der Sache zu stellen.

Ein konkreter Vorgang aus jüngerer Zeit macht dieses Muster exemplarisch sichtbar:
=> Ausgangspunkt war eine schriftgebundene Auslegung eines alttestamentlichen Gerichtswortes.
=> Es ging dabei nicht um Moral oder Personen, sondern um Ordnung: Gott begrenzt das, was seine Ordnung unterläuft – und integriert es nicht in den Raum des Heiligen.
=> Die Auslegung war sachlich, schriftorientiert, ohne persönliche Angriffe, ohne institutionelle Zuschreibungen.
=> Die Reaktion der kirchlichen Leitung erfolgte jedoch nicht auf der Ebene der Schriftprüfung.

    Der biblische Gehalt wurde weder geprüft noch widerlegt. Stattdessen verlagerte sich die Antwort auf formale Aspekte der Kommunikation:
    • Anonymität, Rollenzugehörigkeit, vermutete Nähe zu außerinstitutionellen geistlichen Bewegungen.
    Damit verschob sich der Schwerpunkt der Auseinandersetzung grundlegend:
    => Nicht mehr die Schrift stand zur Prüfung, sondern der Absender.
    => Nicht mehr die Wahrheit des Wortes, sondern Fragen von Zuständigkeit und Loyalität.
    => Nicht mehr „Was sagt Gott?“, sondern „Wer darf so sprechen?“.

    Dieser Vorgang ist kein Einzelfall. Er verweist auf eine strukturelle Entwicklung:
    => Biblische Ordnungserinnerung wird nicht mehr mit Gegenzeugnis aus der Schrift beantwortet, sondern durch formale Abgrenzung neutralisiert.
    => Der Dialog wird nicht widerlegt, sondern beendet.
    => Die Wahrheit wird nicht geprüft, sondern klassifiziert.

    Auffällig ist dabei: Der Inhalt wird nicht als falsch bezeichnet.
    => Er wird vielmehr als „radikal“ etikettiert – ein Begriff, der hier weniger theologisch als administrativ zu verstehen ist.
    => „Radikal“ meint nicht unbiblisch, sondern nicht integrierbar in bestehende Kommunikations- und Ordnungsstrukturen.

    Die Schrift kennt dieses Muster:
    „Sie sagen zu den Sehern: Ihr sollt nicht sehen;
    und zu den Schauern: Ihr sollt uns nicht schauen, was recht ist.“

    (Jesaja 30,10)

    Wo jedoch Schriftprüfung durch institutionelle Abwehr ersetzt wird, verliert der Dialog seinen geistlichen Charakter.
    => Denn Dialog ohne Wahrheitsbindung ist Verwaltung – kein Zeugnis.
    => Und Schweigen auf eine biblische Anfrage ist keine geistliche Antwort.

    Dieser Befund richtet sich nicht gegen Personen oder Motive. Er beschreibt ein Kommunikationsmuster der NAK,
    dass immer dort sichtbar wird, wo biblische Ordnung nicht nur
    • tröstet, sondern begrenzt;
    • nicht integriert, sondern unterscheidet;
    • nicht versöhnt, sondern scheidet.
    Genau darin liegt seine Bedeutung:
    Nicht die Frage:
    • „Wer hat recht?“

    steht im Raum, sondern:
    • Wie reagiert eine Kirche, wenn sie an der Schrift geprüft wird?
    Merksatz:
    Wo biblische Ordnung erinnert wird, entscheidet sich nicht zuerst die Lehre,
    sondern der Geist der Kommunikation – ob Schrift geprüft oder Wahrheit verwaltet wird.
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    Holger F.
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    Re: Wenn Dialog verstummt – eine Beobachtung zur geistlichen Kommunikationskultur in der NAK

    #2 Beitrag von Holger F. » 02.01.2026, 15:05

    Lieber misivi333,

    du versuchst hier auf „theologische Spatzen“ mit „kommunikationstheoretischen Kanonen“ zu schießen. Das ist überhaupt nicht nötig! Außerdem höre ich eine gewisse romantisierende Sicht auf „die NAK früher“ heraus.

    IMO erliegst du hier einem Irrtum. Biblische Begründungen waren in früheren Jahrzehnten kaum vorhanden, oft aus dem Zusammenhang gerissen oder schlicht falsch. Wenn sie einmal richtig waren, waren sie nicht originär neuapostolisch…

    Auch in früheren Zeiten wurden Anfragen nicht, unzureichend oder schlicht mit dem Hinweis auf den „kindlichen Glauben“ abgebügelt. Aus den 90er und den 00er Jahren liegen mir zahlreiche überaus tiefschürfende Anfragen an die Kirchenleitungen der deutschen Bezirke, den FB-Verlag und die internationale Kirchenleitung vor. Gelegentlich wurde tatsächlich tiefgreifend geantwortet, wobei die Antwort dann aber oft gar nicht NAK-Lehre war…

    Die hinsichtlich der theologischen Ausrichtung der NAK wichtigsten Veränderungen der letzten Jahrzehnte waren 1) die Abschaffung der periodischen Deutung der Johannesoffenbarung und 2) die Entscheidung, alle Lehren auf Ökumenetauglichkeit zu überprüfen.

    Welche Auswirkungen die veränderte Deutung der Johannesoffenbarung (Trost- und Mahnbuch) auf den Selbstanspruch der NAK und ihrer Apostel hatte, kann hier nur angedeutet werden. Dazu liegt mir ein ausführlicher „Brandbrief“ eines neuapostolischen Amtsträgers und Mediziners vor, der die Konsequenzen hinsichtlich der biblischen Legitimierung des Apostelamtes im Detail ausführt…

    Auf theologische Fragen wurde also zu allen Zeiten zumeist abwiegelnd reagiert, weil 1) den Aposteln die theologische Bildung fehlte und sie 2) oft selbst nicht genau wussten, was sie warum glaubten…

    Mit dem Eintreten von Dr. R. Kiefer, der u.a. auch evangelische Theologie studiert hatte, in die internationale Kirchenleitung (unter R. Fehr), wurde eine Grundsatzentscheidung deutlich. Überall, wo man sich theologisch unsicher war (Abendmahlslehre), argumentierte man lutherisch, da kannte sich Dr. Kiefer ja aus. Wo das nicht möglich war (Amts- und Kirchenverständnis) orientierte man sich am renommierten katholischen Dogmatiker Prof. Dr. Theodor Schneider…

    Da für eine Lehrentscheidung immer auch die BAPs mit ins Boot geholt werden mussten, konnten Anfragen aus den Gemeinden immer nur vage beantwortet werden…



    Das wird auch noch länger so bleiben, denn es sind wohl noch eine ganze Reihe von Lehrveränderungen zu erwarten, IMO z.B. zum Thema „Entrückung“ und zum Thema „Entschlafenengottesdienst“. Es scheint mir nur die Frage zu sein, auf welcher Zeitachse man weitere Änderungen durchführen kann ohne größere Mitgliederverluste hinzunehmen…

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    misiva333
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    Re: Wenn Dialog verstummt – eine Beobachtung zur geistlichen Kommunikationskultur in der NAK

    #3 Beitrag von misiva333 » 02.01.2026, 19:26

    Lieber Holger,

    danke für deine ausführliche Einordnung und die Einblicke in die historische und theologische Entwicklung der NAK. Man spürt, dass du dich lange und intensiv mit diesen Fragen beschäftigt hast.

    Ich möchte dennoch einen Punkt ruhig klären, weil wir hier offenbar auf unterschiedlichen Ebenen sprechen.

    Mein Beitrag zielte nicht auf einen Vergleich „früher – heute“ und auch nicht auf eine Idealisierung vergangener Zustände.
    Mir geht es nicht darum zu behaupten, dass biblische Prüfung früher besser, reiner oder konsequenter gewesen sei.

    Meine Beobachtung betrifft etwas anderes:
    👉 den Geist, in dem heute auf biblisch begründete Ordnungserinnerungen reagiert wird.

    Du beschreibst sehr nachvollziehbar, warum theologische Antworten in der NAK oft vage blieben oder bleiben mussten –
    fehlende Ausbildung, interne Abstimmungen, Rücksicht auf Strukturen. Das erklärt vieles.

    Was es jedoch nicht ersetzt, ist die geistliche Frage:
    👉 Wird die Schrift geprüft – oder wird Kommunikation gesteuert?

    Wenn Anfragen heute nicht an der Schrift geklärt, sondern primär administrativ eingeordnet werden, dann verschiebt sich der Maßstab –
    unabhängig davon, ob es früher ähnlich war oder nicht.

    Mein Text wollte genau diese Verschiebung sichtbar machen. Nicht anklagend, nicht nostalgisch, sondern prüfend.

    Ich verstehe Kirche nicht zuerst als ein System, das Lehre über Zeitachsen anpasst, sondern als einen Raum,
    der sich immer wieder neu unter das ordnende Wort Gottes stellt –
    auch dann, wenn das unbequem ist oder nicht integrierbar erscheint.

    Darum geht es mir nicht um Lehrentwicklungen an sich, sondern um die Frage, wer oder was letztlich das letzte Wort hat:
    👉 strategische Erwägungen oder die Schrift.

    In diesem Sinn sehe ich meinen Beitrag nicht als Kanonenschuss, sondern als leise Ordnungserinnerung.

    📖 „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“
    (Psalm 119,105)

    Mehr wollte ich nicht sagen.

    Freundliche Grüße
    misiva333
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    Holger F.
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    Re: Wenn Dialog verstummt – eine Beobachtung zur geistlichen Kommunikationskultur in der NAK

    #4 Beitrag von Holger F. » 02.01.2026, 22:55

    Lieber misiva333,

    ich habe das schon in anderen Antworten an dich ausgeführt. Die Bibel hat nicht das letzte Wort. Warum sollte sie auch? Bist du dir bewusst, dass du hier reformatorisches Gedankengut einforderst? Die NAK war und ist aber keine evangelische (!) Freikirche. Sie ist auch nicht - wie oft sogar seitens der NAK behauptet wird, calvinistisch. Sie hat überhaupt nichts mit der Reformation zu tun. In einem ca. 30jährigen Häutungsprozess hat sie die katholischen Elemente der kap Theologie unter Stap. Krebs verstärkt (Bibel und Tradition)…

    Die Bibel hat aber auch in evangelischen Kirchen nicht „das letzte Wort“, obwohl viele Protestanten das für sich in Anspruch nehmen. Das „letzte Wort“ hat in der Regel die Auffassung Luthers (bei den Lutheranern) zum biblischen Befund bzw. die Theologie Calvins (bei den Reformierten). Das zu leugnen, wäre unredlich…

    In der NAK ist das Gegenteil von „die Bibel hat das letzte Wort“ auch nicht (wie du das behauptest) „strategische Erwägungen haben das letzte Wort“. Vielmehr darf man wohlwollend annehmen, dass die Schwächen alter Ansichten eingesehen und korrigiert werden und dies natürlich im Rahmen der eigenen apostolischen Tradition…

    Hinzu kommt ein interessanter Gedanke aus der katholischen Theologie, den die NAK zwar nicht vertritt, der aber den Wandlungsprozess der letzten Jahrzehnte gut begründen könnte:

    Der Sensus Fidei (lat. für „Glaubenssinn“) ist ein theologischer Begriff in der katholischen Kirche, der den übernatürlichen Instinkt aller Gläubigen (vom Bischof bis zum letzten Laien) beschreibt, die Wahrheit des Evangeliums zu erkennen und zu bekräftigen, was durch den Heiligen Geist gewirkt wird und eine wichtige Rolle in der Synodalität spielt, um die Lehre der Kirche zu bewahren und weiterzuentwickeln. Es ist kein bloßer Mehrheitsbeschluss, sondern ein tiefer, gemeinschaftlicher Sinn für den Glauben, der durch Praxis, Lehre und Gebet geschult wird…

    Bezogen auf die NAK könnte man argumentieren, dass der Sensus Fidei die Gläubigen und Amtsträger immer mehr dahin geführt hat, falsche und ungenaue Lehren als solche zu erkennen und sich den Wahrheiten des Evangeliums immer mehr anzunähern…

    Lg

    😇❤️🙏

    Theophil
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    Re: Wenn Dialog verstummt – eine Beobachtung zur geistlichen Kommunikationskultur in der NAK

    #5 Beitrag von Theophil » 08.01.2026, 13:54

    Lieber misiva333,

    als jemand, der in der NAK als Kirchenmusiker aktiv ist, als ehemaliger Amtsträger, der sein Amt aufgrund Nichtübereinstimmung mit Lehrinhalten zurück gegeben hat, als jemand, der auch in anderen christlichen Konfessionen als Kirchenmusiker aktiv ist, und der sich absolut sicher ist, dass es die "richtige" Kirche nicht gibt, möchte ich anmerken, dass schon die Überschrift über dieser Diskussion falsch ist. Sowohl der innerkirchliche Dialog in der NAK als auch der ökumenische Dialog innerhalb z.B. der ACK, oder auch der ökumenische Dialog an der "Basis", in lokalen ACK, sind auf einem erfreulich hohen Niveau. Und die Geschwindigkeit, mit der sich in der NAK Reformen vollziehen, die vor 20 Jahren noch niemand für möglich gehalten hätte, sind auf die Dialogfähigkeit der Mitglieder und der Kirchenleitung zurückzuführen.

    Was den reformatorischen Grundsatz "sola scriptura" anbetrifft, so kann ich die Ausführungen von Holger F. hierzu nur unterschreiben. Wer sich an den Buchstaben der Bibel hängt, wird sich in den darin enthaltenen Widersprüchen irgendwann verlaufen. Oder sie erfolgreich ignorieren, auch das gibt es. Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig. Sensus Fidei.

    LG

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