Emmausjünger-Erzählung als Ur-Typus

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Holger F.
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Emmausjünger-Erzählung als Ur-Typus

#1 Beitrag von Holger F. » 06.09.2026, 03:36

Will man die biblische Begründung der Struktur der heilgen Messe verstehen, kommt man an der Erzählung von den Emmausjüngern im Lukasevangelium (Lukas 24,13–35) meines Erachtens nicht vorbei. Sie gilt in der Theologie als der Ur-Typus des gesamten christlichen Gottesdienstes, da ihr Aufbau die vollständige Struktur der heiligen Messe detailgetreu vorwegnimmt!

Der anfängliche Weg der Jünger und ihre Trauer über das scheinbare Scheitern Jesu spiegeln die Eröffnung und das Schuldbekenntnis (Kyrie) wider, in dem die Gläubigen mit ihren Lasten und Enttäuschungen des Alltags vor Gott treten und um sein Erbarmen bitten.

Als Jesus sich unerkannt zu ihnen gesellt und ihnen „von Mose und allen Propheten her“ die Schrift auslegt, vollzieht sich der Wortgottesdienst; das spätere Eingeständnis der Jünger, ihr Herz habe unterwegs „gebrannt“ (V. 32), beschreibt also die verändernde Kraft der Evangeliumsverkündigung und der Predigt.

Die darauffolgende Einladung „Bleibe bei uns, denn es will Abend werden“ leitet über zur Gabenbereitung, die am Tisch in die eigentliche Eucharistiefeier mündet.

Hier vollzieht Jesus mit den Verben nehmen, segnen, brechen und geben (V. 30) dieselben rituellen Handlungen wie beim Letzten Abendmahl, wodurch den Jüngern die Augen geöffnet werden und sie ihn in der sakramentalen Realpräsenz des gebrochenen Brotes erkennen.

Indem Jesus im Moment des Erkennens unsichtbar wird, bricht die Gemeinschaft jedoch nicht ab, sondern wandelt sich in die Entlassung und Sendung (Ite, missa est): Die Jünger brechen noch in derselben Stunde auf, um nach Jerusalem zurückzukehren und Zeugnis abzulegen – genau wie die Gemeinde am Ende der Messe gesegnet in den Alltag gesandt wird, um selbst als Christus-Träger in der Welt zu wirken.

Mich überzeugt diese erstaunliche biblische Analogie/ Typologie.

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