Spätschicht: Angst - Kreuz - Hofnung

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filippo

Spätschicht: Angst - Kreuz - Hofnung

#1 Beitrag von filippo » 09.03.2008, 22:10

Es ist war keine Predigt, die ich halten werde ... sondern nur die letzte Freitags-Spätschicht der Passionzeit hier im Kloster ...

aber vieleicht interessiert es ja doch den ein oder anderen:

Spätschicht am 14.03.2008
Thema Kreuz – Angst- Zuversicht

Vorbereitung:

Grosses Tuch, Musikanlage,
Ein Standkreuz auf Tisch mit Dekostoff in der Mitte des Chorraumes, Kerzen daneben und auf auslaufendem Stoff auf dem Boden

Vorher: Instrumentalmusik Taize von CD

Eröffnung: Gongschlag
Instrumental: O Haupt voll Blut und Wunden

Begrüßung

Gebet:

Gott, hilf mir beten
Und meine Gedanken sammeln zu dir;
Ich kann es nicht allein.
In mir ist es finster,
aber bei dir ist das Licht;
ich bin einsam,
aber Du verlässt mich nicht;
ich bin kleinmütig,
aber bei dir ist der Friede;
in mir ist Bitterkeit,
aber bei dir ist die Geduld;
ich verstehe deine Wege nicht,
aber du weisst den Weg für mich.
Amen

Textlesung
Dieser übergroße Christus, zieht mich immer wieder an.
Wenn ich vor ihm stehe,
den ausgezehrten Leib sehe,
das dornengekrönte Haupt und die weit ausgebreiteten Arme,
steigt in mir der Ruf des Karfreitags-Gottesdienstes auf.
Im Kreuz ist Heil,
im Kreuz ist Leben,
im Kreuz ist Hoffnung.
Menschen, die ich kenne, kommen mir in den Sinn.
Menschen, die in Krankheit, Einsamkeit, Arbeitslosigkeit,
psychischer Belastung täglich ihr Kreuz spüren.
Ihm, dem Christus mit den weit ausgebreiteten Armen
vertraue ich sie an.

Instrumental: O Haupt voll Blut und Wunden

Textlesung:

Angst. Die ganze Welt klopft in meinem Herzen. Schwarze Sturzfluten quellen aus meinem Gedärm und überfluten meine Seele. Mein Verstand lehnt sich mit zitternden Händen gegen die morsche Tür, hoffend, daß so vielleicht der Wahnsinn nicht aus dem Keller entweicht. Ich habe Angst. Elende Angst. Mir ist schlecht vor Angst. Ich möchte mich im Bett winden, Angstschweiß gebadet, wie ein aufgegrabenener Regenwurm, möchte das Knarren der Treppe unter Kopfkissen ersticken, suche mit panisch aufgerissenen Augen eine schnelle Erklärung für das Wispern vor dem Fenster, wälze mich hin und her, damit das Knarren des Bettes das Kichern unter der Schädeldecke übertönt. Angst. Gott, Angst. Ich sterbe. Tue was! Komm! Bleib! Rede! Schweig. Laß mich endlich schlafen.

Lied:
Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht,
Christus meine Zuversicht, auf Dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Textlesung:

Ich bin leer, Gott. ich will nicht mehr. Ich kann nicht mehr. Keine Kraft. Ich bin leer. Weiß nicht, warum noch einen Atemzug tun. Sehe keinen Sinn, noch einen Herzschlag zu verschwenden. Keiner kennt mich, keiner braucht mich, niemand vermißt mich. Ich habe alles versucht. Ich habe mehr Anläufe genommen, als ich Kraft hatte. Ich bin öfter aufgestanden, als ich für richtig hielt. Ich habe mir mehr gute Worte angehört, als ich zu ertragen fähig war. Aber jetzt, jetzt will ich nicht mehr. Kann ich nicht mehr. Aus, Schluß und vorbei. Als Gott müßtest Du mich eigentlich kennen. Ich kenne dich allerdings nicht. Ich erinnere mich nicht, daß Du dich mir vorgestellt hättest. Ist ja vielleicht auch egal. Aber wenn Du mir noch was sagen willst, beeile Dich!

Lied:
Nada te turbe, nada te espante, nada le falta.
Nada te turbe, nada te espante, solo Dios basta.

Textlesung:

Ich kann nichts mehr machen. Nichts. Zuviel Tod. Zuviel Krankheit. Zuviel Unrecht: Eine Wunde versorgt und drei Tote begraben. Einen getröstet und drei vom Strick geschnitten. Einen den Folterern abgeluchst und dreißig ihnen unschuldig veraten. Ich verstehe sich nicht, Gott, deine Welt. Ich verzichte auf deine Liebe, die auf Blut und Tränen keine andere Antwort hat, als meine kleinen Pflaster. Vier Wochen habe ich gekämpft für deine Tochter, Gott. Zehn Jahre habe ich gewartet mit Deinem Sohn, Gott. Beide sind jetzt tot. Sag was, Du Schweigsamer, was meinen Zorn, meine Wut und meine Ohnmacht übertönt. Sag endlich was!

Lied:
Hoffen wieder alle Hoffnung, glauben, dass es dennoch weitergeht,
Lieben, wo es beinah nicht mehr möglich, damit die Welt auch morgen noch besteht.
Fühlen, wo Gefühle sterben, Licht sehn, da wo alles dunkle scheint,
Handeln, anstatt tatenlos zu trauern, trösten auch den der ohne Tränen weint.
Wach sein, Zeichen klar erkennen, helfen, trotz der eignen grossen Not,
Aufstehn gegen Unrecht Mord und Lüge, nicht einfach schweigen, wo die Welt bedroht.



Textlesung:

Gethsemane

Schwarz war die Nacht.
Schwarz wie der Tod.
Schwarz, wie die Angst, die in dir aufstieg.
Du wusstest was kommt.
Meine Seele ist betrübt bis an den Tod,
hast du zu den Deinen gesagt,
aber sie konnten nicht erfassen was geschah.

Bleibt hier und wacht.
Und du gingst noch ein wenig tiefer in die Einsamkeit.
Auf Knien hast du gebetet, hast du gefleht.
Abba, Vater, lass diesen Kelch an mir vorüber gehen.
Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.

Und als du kamst, nach deinen Freunden zu sehen,
da schliefen sie. Sie waren einfach eingeschlafen.
Simon, konntest du nicht eine Stunde mit mir wachen?
Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!
Denn der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

Und du gingst erneut in die Dunkelheit,
fielst auf dein Angesicht, rangst mit dem Tode und betetest heftiger.
Und dein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf die Erde fielen.

Als du zurückkamst, fandest du sie wieder schlafend.
Und sie wussten nicht, was sie dir sagen sollten.

Zum dritten Mal gingst du in die Finsternis.
Allein, nur der Tod lauerte auf seine Chance.
Nicht mein Wille sondern dein Wille geschehe.
Niemand außer dir kann so einen Weg aus freiem Willen gehen.

Du sahst schon die Soldaten, hörtest den bedrohlichen Lärm.
Spürtest ihren Atem in deinem Nacken.
Sie würden dich verspotten,
sie würden dich schlagen bis der Schmerz dir die Sinne raubt.
Und dann würden Sie dich ans Kreuz schlagen.
Dann ist das Ende nah.

Niemand außer dir kann so einen Weg aus freiem Willen gehen.
Doch du bist ihn gegangen.
Für mich.
Das übersteigt alles, was ich mir vorstellen kann.
Ich beuge meine Knie in Ehrfurcht und Anbetung.
Jesus, mein geliebter Jesus, das hast du für mich getan.

Lied:
Bleibet hier und wachet mit mir. Wachet und betet.
Wachet und betet.

Textlesung:

Es gab Schreie

Schreie nach Liebe
Schreie nach Vergeltung
Und Versöhnung
Nach etwas, das nie hier war

Aus dem Schreien wurde Trauer
Trauer um Liebe, die man nie hatte
Trauer nach Vergeltung, die nie kam
Trauer um Versöhnung, die nie stattgefunden hat

Mit der Trauer kamen Tränen
Tränen um die Liebe
Tränen um Vergeltung
Tränen um Versöhnung

Aus den Tränen wuchs eine Rose
Eine Rose ohne Stacheln
Eine Rose, die vollkommen ist
Die Rose wächst aus den Schreien,
der Trauer und den Tränen
Ihr Schatten spendet Trost
Ihre Schönheit gibt Geborgenheit

Auf einmal wurde aus dem Schreien
Lachen
Aus der Trauer Freude
Und aus den Tränen wuchsen Bäume

Da wussten wir, er war hier

Lied:
Laudate omnes gentes, laudate Dominum. Laudate omens gentes, laudate dominum.
Lobsingt ihr Völker alle, lobsingt und preist den Herrn. Lobsingt ihr Völker alle, lobsingt und preist den Herrn.
Laudate omnes gentes, laudate Dominum. Laudate omens gentes, laudate dominum.

Einladung, zum Kreuz zu gehen, und seine eigenen Kreuze / Sorgen im Gebet abzulegen.

Gemeinsames Gebet im Kreis um das Kreuz mit an den Händen fassen:

Vater unser
Gegrüßet seist Du Maria


Segen:

Der Herr segne Dich.
Er erfülle Dein Herz mit Ruhe und Wärme,
Deinen Verstand mit Weisheit,
Deine Augen mit Klarheit und Lachen,
Deine Ohren mit wohltuender Musik,
Deinen Mund mit Fröhlichkeit,
Deine Nase mit Wohlgeruch,
Deine Hände mit Zärtlichkeit,
Deine Arme mit Kraft,
Deine Beine mit Schwung,
Deine Füsse mit Tanz,
Deinen ganzen Leib mit Wohlbefinden.
So lasse der Herr
Alle Zeit seinen Segen auf Dir ruhen.
Er möge Dich geleiten und beschützen,
Dir Freude schenken Dein Leben lang.
Dir Mut zusprechen in schweren Zeiten.

So segne uns der allmächtige und gütige Gott,
der Vater, der Sohn und der heilige Geist.
Amen.

Lied:
Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht,
Christus meine Zuversicht, auf Dich vertrau ich und fürcht mich nicht.

Verabschiedung

Der Herr segne uns,
er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

Ausklang: Leise Instrumentalmusik Taize von CD

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